Du bist nicht eindimensional

Menschen sind nicht eindimensional.
„Ich bin Anwalt.“ ist eine Lüge. Du bist hoffentlich so viel mehr. Vielleicht wirst du sogar eines Tage auch kein Anwalt mehr sein. Und auf jeden Fall warst du nicht immer das, was du jetzt bist.

TL;DR:
Du bist viel-dimensional. Gönn dir, viele Interessen zu haben. Spiel herum, probiere dich aus und knüpfe dir daraus dein eigenes und spannendes Tau.
Von außen sieht es immer aus, als wäre es “eins“. Eine Beschreibung ist nicht nötig.

Eine Dimension

Der Versuch, einem Menschen, allen voran uns selbst, einen eindimensionalen Titel zu geben ist gefährlich. Es trainiert dazu, auch so an das Leben heranzugehen. Wenn ein Bekannter viele Dinge gleichzeitig und parallel macht, schütteln wir den Kopf. „Er macht nichts richtig.“

Dabei weiß man doch, dass man eine Sache richtig machen sollte um Erfolg zu haben. Eine gute Karriere zu haben und dann diese für den Rest im Leben aufkommen zu lassen.
Wer 10 Stunden am Tag in seiner Kanzlei arbeitet hat keine Ahnung mehr, wie man sich selbst ein Bett baut. Aber das kann man ja vom Gehalt kaufen.
Wenn die Waschmaschine kaputt geht, steht man vor einer Blackbox, auf die dasselbe Gehalt geworfen wird. Der Experte kommt, betreibt Magie und schon ist das Problem gelöst.

Wir sind überall so. Wir versuchen uns selbst und Andere möglichst eindimensional zu machen. Und mit bestimmen Leistungen gewisse Titel „freizukaufen“.

Bullshit.
Der Versuch, sich selbst und Andere als eindimensionale Wesen zu sehen, ist ein Problem. Mehr Mut zur Scheiße. Einfach Loslegen. Mehr Mut zum Abenteuer. Und vor allem mehr Mut dazu, Interessen zu verfolgen und auch wieder im Boden versickern zu lassen.

Stell dir ein Tau vor

Stell dir bitte einmal ein dickes Tau vor. So zum Klettern. 5cm Durchmesser. Kein dünnes Seilchen, sondern ein richtig richtig fettes Tau.

Das ist offensichtlich EIN Tau. EIN Gegenstand richtig?
Aber, wie du weißt, besteht ein Tau oft aus vielen dünneren Seilen. Und diese dann wiederum aus dünneren Seilen.
Wenn du weiter aufdröselst, findest du irgendwann heraus, dass einzelne Fäden in der Struktur sind.
Aber wenn du 100 Meter Tau vor dir liegen hast, glaubst du wirklich, dass es eine 100m hohe Hanfpflanze gab, aus der genau dieses Tau gefertigt wurde?
Nö.

Innerhalb des Taus gibt es viele einzelne Fasern, die mal länger und mal kürzer sind. Wenn diese miteinander verwoben werden, können sie zusammen ein Tau bilden. Das ist das, was ein Tau ausmacht. Durch das Verbinden so vieler einzelner Fasern, die alle Gewicht tragen entsteht etwas Neues, was noch mehr Gewicht trägt. (Stichwort, Systemdenken)

Dein Leben = Dein Tau

Diese Fasern sind deine Interessen. Das Tau ist dein Leben. Es gibt einzelne Seile. Dich als Freund. Dich als Familienmenschen. Dich als Kollegen. Dich als Studenten. Und diese Seile setzen sich aus Fasern zusammen. Im Studium gab es eine zeitlang Statistik und dann nicht mehr. Früher hattest du einmal den einen Freund, jetzt ist es ein Anderer. Als Jugendlicher hast du viel gepokert, jetzt nicht mehr. Das sind die einzelnen Fasern.

Das Lebensmodell, welches im Moment oft gelebt wird, ist der Versuch, eine Faser möglichst lang und dick zu machen. Wenn ein Karrierewechsel ansteht, werden neue Zertifikate erarbeitet und sich dann in die neue Karriere gestürzt. Kein geschmeidiger, miteinander verwobener Übergang der einen Faser zur Anderen. Sondern es wird versucht, mit aller Gewalt diese Fasern aneinander zu “nähen“.

Und das Ergebnis?
Man sieht von außen schon, woraus das Tau besteht. Es gibt nichts mehr zu entdecken. Keine Fasern, die in dünneren Tauen des großen Taus stecken.

Ach, und das Wichtigste: Das Tau ist instabil. Nicht tragfähig.

Ein-dimensionale Taue tragen kein Gewicht

Knüpfe dein eigenes Tau

Stell dir dein Leben mal als dieses Tau vor.

Und versuche, aus vielen einzelnen kürzeren und schwachen Fasern ein dickes Tau zu weben.
Dazu braucht es nicht eine dicke und tragfähige Faser, die durch zertifizierte Ausbildungen entsteht.

Es bedarf vieler kleinerer Interessen und Gebiete in deinem Leben, die sich ändern. Sich wandeln.
Aber immer wieder in dünneren Seilen gruppiert werden und sich gegenseitig halten. Diese dünneren Seile wiederum werden weiter integriert zu deinem dicken Tau.

So kann etwas Großes, etwas Spannendes und Tragfähiges entstehen.
Also, knüpf dein Tau.

Cheers.