Wieviel Leben dich dein Auto kostet

Die Deutschen und Autos. Passt.
Wir haben einige große Automobilhersteller, die auch in der Bestenliste der weltweit größen mitspielen. Allen voran sind da Volkswagen, Daimler und BMW. Zusammen stellten sie 2020 17 Millionen Fahrzeuge her.
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. 17 Millionen Autos in einem Jahr.

Aber was kostet so ein Auto?
Klar, ein Auto ist ziemlich teuer. Aber darüber hinausgehend: Wieviel „Lebenszeit“ kostet ein Auto?

TL;DR:
Autos sind teuer. Deutsche gehen im Jahr 5 Wochen zur Arbeit, nur um sich ein Auto leisten zu können. Es gibt günstigere und gesündere Alternativen.

Im Buch „Early Retirement Extreme“ von Jacob Lund Fisker bin ich auf eine Rechnung aus 2011 für die USA gestoßen, deren Ergebnis war, dass der Durchschnittsamerikaner circa 3 Monate auf der Arbeit verbringt, nur um Auto fahren zu können.

Wie sieht das in Deutschland aus?

Zahlen

Laut deutschland.de gibt der Durchschnittshaushalt circa 13,8% des Einkommens für Verkehr aus. Bei einem Konsumeinkommen von 2517€ monatlich sind das dann unterm Strich 347,35€ im Monat für Verkehr.
Aber stopp, hat jeder ein Auto?
Nein, und das wurde auch erhoben. Circa 78,8% der Haushalte haben ein PKW.
Wenn man diesen Prozentsatz jetzt einfach noch abzieht (also 347,36€* 0,788)
erhält man 273,72€ monatliche Ausgaben für ein Auto.

Ich habe jedoch auch Angaben vom Statistischen Bundesamt gefunden, welche besagen, dass durchschnittlich 33€ für Verkehr exklusive Autos ausgegeben werden. Das wären dann (347,35€-33€) 314,35€ im Monat.

Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Angaben nun final stimmen. Letzten Endes ist es auch egal, denn es wird hier ja ohnehin nur mit Durchschnitten hin- und hergewürfelt.
Also nehme ich jetzt einfach das simple arithmetische Mittel. Rechnet man nun: (273,72€+314,35€)/2, erhält man 294,04€.

Ist das jetzt viel oder wenig?

Kontext

Ein paar Einordnungen:
Deutsche geben im Schnitt 1395€ für ihr Fahrrad aus (inkl. e-bikes). Das entspräche also circa 5 „Automonaten“.

Außerdem sind die Ausgaben für das Auto sind genauso hoch wie die für Ernährung. Das finde ich schon erstaunlich. Mir persönlich ist mein Mampf wichtiger als eine Karre. 🙂

Wenn man jetzt 5 Jahre mit einem Autokauf warten würde und die 294,04€ nun anlegt. Was wäre dann nach weiteren 25 Jahren auf dem Konto?
Nimmt man eine Verzinsung von 6% an (historischer Durchschnitt an Aktienmärkten liegt bei 7-8%) und lässt nach einer 5 jähriger Einzahlzeit das Geld einfach liegen, landet man bei einem Endkapital von über 58000€.
Dabei ist die Kapitalertragssteuer von 26,375% bereits abgezogen und kein Sparfreibetrag berücksichtigt.

Mann das ist viel Geld.
(Davon kann man sich ja fast ein Auto kaufen! #facepalm)

Aber genug mit Zahlen jongliert. Ich könnte das ewig machen, nehme aber an, dass dir das nicht sooo viel Spaß macht wie mir.

Lebenszeit

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage:
Wieviel Zeit verbringen die Deutschen durchschnittlich auf Arbeit, um ein Auto zu „erarbeiten“?
Simpel. 294,04€/2517€=0,1168. Also gehen 11,58% der Arbeitszeit fürs Auto drauf.

Geht man von 200 Arbeitstagen im Jahr aus (Urlaubs- & Feiertage sind abgezogen) sind das dann knapp 24 Tage.

Das sind 5 Wochen Arbeitszeit, die für das Auto draufgehen. 5 Wochen.

Mehr Kontext

Klingt erstaunlich wenig im Verhältnis zu den 3 Monaten, die in den USA gelten sollen. Trotzdem finde ich es echt viel. Denn knapp 40-50% der Autofahrten erstrecken sich über weniger als 5km. Eine Strecke, bei der das Fahrrad ohnehin das schnellere Verkehrsmittel ist.

Klar wurde hier jetzt stark generalisiert, aber ich finde es interessant so eine Perspektive einzunehmen.

Man könnte jetzt noch betrachten, welche Kosten in weiterer Konsequenz auf Autofahrende zukommen:

  • Die tendenziell längere Pendelzeit
  • Damit einhergehend mehr Verschleiß des Autos
  • Weniger Freizeit (Durch entweder höheres Einkommen für Auto oder längere Fahrten)
  • Mehr Stress durch Pendlerverkehr
  • Gesundheitliche „Nachteile“ im Vergleich zu aktivem Pendeln wie Gehen oder Radfahren
    Aber das sind wohl Fragen für einen späteren Zeitpunkt

Cheers.