Mut zur Scheiße

Viel zu oft lässt man sich doch von irgendwelcher Kritik beeinflussen. 

Noch öfter passierts aber, dass man wegen eventueller Kritik schonmal gar nicht loslegt.

Ist das nicht völlig Banane?!

Weil man selbst denkt, dass etwas, was man noch gar nicht getan hat, hinterher von einem selbst oder Anderen für „nicht gut“ befunden wird, lässt man es lieber ganz sein.

Komplizierter Satz. Aber eigentlich ganz einfach…

Ich denke schon länger darüber nach, mehr zu schreiben. Ganz allgemein. Mehr Worte. Geschichten. Artikel wie diesen hier. Einfach, weil ich das geschriebene Wort mag und weil ich durch jahrelanges Tagebuch führen eben weiß, wie sehr mir das hilft.

Bisher hab ich davon nichts öffentlich gemacht. Weil ich mir denke, dass es nicht so gut sein wird.
Kennst du safe auch von dir selbst:

Ich hätte Bock mit Tennis anzufangen…
Doch dann steigen miese, stinkende Gedanken hoch wie Blasen in einer Lavalampe, ständig wiederholt, bis du endlich aufgibst:
…aber dann bin ich total schlecht am Anfang
…aber ich bin total unsportlich.“
…aber ich hab keine Lust, so oft in die Turnhalle zu fahren.
…aber das wirkt alles so kompliziert.“

Und dann lässt du es halt sein.
Irgendwie dumm. 
Du. Ich auch. Wir alle. 

Wenn wir uns nur einige Minuten Zeit nehmen würden, wär schnell klar, wieso das alles großer Bullshit ist.

Pass auf:

  1. Kritik ist immer passiv.
  2. Du bist ein unfairer Arsch.

Kritik ist immer passiv

Ich nehme mir also Zeit zu träumen, wie es wäre, mehr zu schreiben. 
Und denke dann daran, dass es nicht wirklich gut sein wird.
Was dabei völlig fehlt, ist das konkrete Ergebnis. Die konkrete Kritik.
Man kann doch nicht etwas Nicht-Vorhandenes kritisieren.

Ich find dein Buch, was du im Moment beinahe schreibst, später scheiße.
Du kannst den Sport, den du gar nicht machst, echt wirklich sehr sehr schlecht.

.
.
.

🤦

Wieso reden wir denn bitte so mit uns selbst?!

Kritik ist immer passiv: Jede Kritik braucht etwas, was kritisiert werden kann.
Also mach doch erstmal. 

Fang erstmal an, Gitarre zu üben. 
Fang erstmal an, mehr zu lesen. 
Fang erstmal an, das Buch zu schreiben.

Erst hinterher sollten wir uns Zeit nehmen, das Geschaffene zu kritisieren. 
Aber auch nur kurz.

Ist schließlich das Anfänger-Werk. Der erste wackelige Versuch eines neugeborenen Interesses auf eigenen Beinen zu stehen.
Es ist völlig klar, dass diese Beine noch keinen Marathon laufen. Aber der Versuch, die Geh-Technik zu kritisieren ist auch völlig fehlgeleitet.

Brechen die Beine mal weg, weil das Geschaffene doch irgendwie doof ist oder echt nicht gut war, was würde man als fairer und interessierter Beobachter machen?

Rrrrichtig. Mut machen. 

Zum wieder Aufstehen. 
Nicht zum Marathon. Das kommt später. 

Kritik ist passiv. Sie ist vom Werk abhängig.

Lass den Kritiker kommen. Aber doch bitte erst nachdem du etwas geschaffen hast.

Du bist ein unfairer Arsch

(Untertitel: Wir alle sind unfaire Ärsche)

Stell dir wieder die wackelige Beine vor. 
Sie knicken ein, fallen hin. Stoßen sich die Knie.
Stehen wieder auf. Versuchen es wieder.

Du stehst daneben und betrachtest das.
Weißt, dass der Besitzer der Beine seinen Marathon laufen möchte. 

Was ist jetzt genau das Richtige? Und was tut man meistens mit sich selbst?

Genau!

Wir sagen:
Was bist du denn bitte für Weichbirne?! Kannst nicht mal stehen, aber willst Marathon laufen?! Lass es doch einfach ganz sein!

Junge, das klingt so super unfair.
Aber das zieht man ständig mit sich ab…

Mein Vorschlag:
Lass mal fairer mit uns selbst umgehen

Vergleich nicht den Marathon-Weltrekord mit den wackligen Beinen. Vergleiche die wackligen Bein mit dem Krabbeln vorher. 
Und dann, wenn das Stehen klappt und es an die ersten Schritte geht, vergleiche die Schritte mit dem Stehen. 

So.

Wir sind leider immer so dumm, den individuellen Zeitpunkt der Reise zu ignorieren. Der Marathon-Weltrekord wurde von einer Person aufgestellt, die das seit Jahrzehnten übt. Und wir mit unserem dürftigen Unterbau, der gerade mal Stehen gelernt hat, hatten noch nicht so viel Zeit.

Ich werde mir jetzt jedenfalls immer wieder beide Dinge in Erinnerung rufen. 
Ich werde jetzt erstmal etwas schaffen. Auch wenns „scheiße“ ist.

Und ich werde mich nicht mit dem „Endziel“ eines Anderen vergleichen, sondern mit mir selbst eine Station vor der Jetzigen.

Ganz getreu dem Motto des Glückskekses, den ich jetzt letztes Wochenende geöffnet habe:

Mut zur Scheiße!