Werkzeug vs. Gerät

Ich habe in Nutzen vs. Potential ja schon darüber geschrieben, dass es gesunde und ungesunde Wege gibt, wie wir Tools nutzen können.

Die letzten Tage habe ich noch mehr darüber nachgedacht und zufälligerweise auch eine Folge eines meiner Lieblings-Podcasts gehört:

Sehr cooler Podcast.
Lass dich nicht von dem vermeintlichen Macho-Namen täuschen:
Gute Inhalte und ein feinfühliger Host.

Wie auch immer.

Der Podcast dreht sich um die Frage, welche Leitbilder für den Umgang mit Technologie Nietzsche uns gegeben haben könnte.

Im Laufe des Gesprächs fällt ein Kommentar, der (wie ich finde) den Nagel auf den Kopf trifft und gleichzeitig das TL;DR dieses Artikels ist:

TL;DR:
Technologie sollte uns helfen, etwas in der echten Welt zu bewegen. Technologie ist ein Werkzeug. Nutzt man einfach nur das Gerät, geht es oft schief.

Den Gedanken finde ich sehr spannend.

Technologie

Wie ich in Nutzen vs. Potential schon meinte, ist Technologie vor allem Eines: Potential.
Und das ist gut.

Niemand kann das von der Hand weisen und jeder vernünftige Mensch wird einsehen, dass uns Technologie eher Vorteile als Nachteile verschafft hat. Trotzdem gibt es immer wieder Probleme und Reibereien.
Doch woran liegt das?

Wieso Einige einen gesunden Technologie-Umgang haben und Andere nicht

Das habe ich mich gefragt und bin irgendwann darauf gekommen, den Unterschied zu beleuchten. Was machen Menschen, die keine Probleme mit Technologie haben, anders als diejenigen, die Candy-Crush-Abhängig sind oder in Netflix leben?

In meinem persönlichen Umfeld habe ich nicht mehr allzu viele, die ich als „abhängig“ beschreiben würde. Ich selbst habe so Phasen. In Wochen, in denen ich wenig zu tun habe, gucke ich eine ganze Staffel irgendeiner Serie, und dann wieder monatelang gar nichts (Letztes Jahr habe ich alle Abos gekündigt – interessantes Experiment).

Aber:
Es gibt Viele, die sich eingestehen, nicht so viel Kontrolle über Technologie zu haben, wie sie sich wünschen.

Werkzeug vs. Gerät

Der große Unterschied, den ich beobachtet habe ist der:
Intentionalität.

Ich möchte hier gerne eine Metapher vorstellen, die ich mittlerweile immer öfter vor Augen habe:
Werkzeug vs. Gerät.

Das Werkzeug:
Die, die gar kein Problem mit Technologie haben, wissen vorher, was sie erreichen wollen. Sie nutzen Technologie als Umweg aus der realen Welt zurück in die reale Welt. Ein Freund lernt, wie man ein Werkzeug benutzt. Eine Freundin schaut, wie man ein bestimmtes Muster näht.

Nach dem „Konsum“ geht es dann zurück. Mit mehr Wissen und Know-How. Ich selbst bin die letzten Wochen oft auf YouTube herumgesurft nach Tips für Bikepacking. Jedes Video hat mir mehr Lust auf ein Wochenend-Abenteuer im Sattel gemacht.

Das war Technologie-Konsum, der als Ziel wieder die reale Welt hatte. Echte Abenteuer mit wirklichen Schwierigkeiten.

Das Gerät: (Oder der Gerät?!)
Es gibt aber auch Menschen, die als Zeitvertreib „Playstation“ spielen. Nicht einmal ein spezielles Spiel. Sondern Sie nutzen nur das Gerät. Das „Wie“ scheint fast egal zu sein.
Ein Gerät soll genutzt werden und wird auch genutzt. Es gibt keinen „offline“ Zweck für den Einsatz. Das ist „abends gucke ich Netflix“ oder „Youtube schlägt mir schon was vor, das ich beim Essen gucken kann“ (schuldig! :-/).

Diese Herangehensweise sorgt ganz schnell dafür, dass der Weg immer tiefer in die digitale bzw. technologisierte Welt führt. Nicht zurück in die reale Welt.

Reality-Check

Viele Tips zum Umgang mit Technologie sind „Hacks“. Keine echten Leitlinien. 2 Stunden Bildschirmzeit? Was ist denn, wenn ich 4 Stunden mein Navi anhabe, während ich im Fahrradsattel sitze? Das ist ja wohl ein „produktiver“ Technologie-Einsatz oder nicht? 5 Stunden mit dem Stammtisch zu skypen um auch während Corona in Verbindung zu bleiben? Auch verboten?

Nein. Ich denke, wir alle sollten uns öfter mal über das Timing der Frage: „Was will ich tun?“ Gedanken machen. Vor dem Aufklappen des Laptop ist vermutlich besser, als nach 2 Stunden Youtube-Rabbbit-Hole.

Ich fang an – machst du mit?

Cheers.