Profis und Du: Der Unterschied

Wir sind viel zu professionell geworden. Gerade hier in Deutschland gibt es die Meinung, dass man für alles ein Zertifikat braucht, die Erlaubnis von jemandem weiter oben in der Hierarchie oder sogar eine abgeschlossene Ausbildung für etwas. Und wenn das erledigt ist, kommt das Equipment.

Darf ich vorsichtig vorschlagen, dass das Bullshit ist?!

TL;DR:
Profis pfuschen genauso wie du und ich. Sie haben das nur viel öfter getan und sind darin besser oder schneller. Erlaube dir, zu pfuschen.

Wir brauchen keine Theorie

Im Gitarrenunterricht versuche ich immer zu erklären, dass wir Musiktheorie nicht brauchen. Notenlesen auch nicht. Wir „brauchen“ es nicht. Aber wenn uns bestimmte Muster immer wieder auffallen, können wir sie benennen.
Zum Beispiel fällt auf, dass ein Typ von Akkorden immer irgendwie traurig klingt. Wir nennen den dann einfach “Moll“. Den Akkord, der fröhlich klingt, nennen wir „Dur“.

Was ist denn jetzt so anders? Die Richtung:
Die Vorstellung der „richtigen“ Reihenfolge“:

  1. Regeln & Gesetze lernen
  2. Diese Regeln/Gesetze in der Welt erkennen
    Die eigentliche Reihenfolge:
  3. Ein Muster beobachten und erkennen
  4. Dem Muster einen Namen geben

Es gibt Momente, da sitzt ein Mensch vor mir und möchte Gitarre lernen. Erzählt mir, dass regelmäßig für und mit Freunden Musik gemacht wird. Dass manchmal ein wenig Geld in Fußgängerzonen mit Spielen und Singen verdient wird.
Und wenn ich sage „Krass, du bist ja einfach schon Musiker! Wie cool!“ wird zurückgerudert: Man wisse doch nicht, was man tue. Man hätte von Theorie keine Ahnung. Die Gitarre hätte nur 50€ gekostet. Man würde es doch nur als Hobby betreiben. Und überhaupt.

Ein Hoch auf den Pfusch

Es macht doch Spaß. Das stümperhafte Gitarrespielen. Oder das Malen abends wenn man Ruhe haben möchte. Das Holzschnitzen. Oder egal, welches Hobby du so verfolgst.
Wieso dann wieder herabwürdigen? Wieso behaupten es wäre „nur so ein Zeitvertreib“?

Wer auch nur 2 Songs auf der Gitarre spielen kann, kann mehr als viele Andere. Klar, es gibt einige Lichtgestalten, die übermäßig gut sind. Aber wen juckt das?

Es darf doch auch gerne mal falsch werden, das gehört dazu.
Pfusch los!

Sidehustle

Die Professionalisierung jedes Gebiet unseres Lebens macht auch nicht vor unseren Hobbies halt. Das Mal-Hobby soll bei Etsy zu Geld gemacht werden.
Die Fotos bei Instagram zu Followern umgesetzt werden. Und. So. Weiter.

Einfach mal gut sein lassen ist nicht unsere Stärke.

Das richtige Equipment

Und jetzt hast du dich doch dazu durchgerungen, einem neuen Hobby Zeit zu geben. Du möchtest mit dem Rad Touren in der Umgebung machen.
Und schon findest du dich auf Amazon wieder und shoppst nach dem richtigen Equipment. Die Profis nutzen diese superleichte Sattelstange. Alter, chill.
Du brauchst kein Profi-Equipment.
Leg einfach los.

Spiel mal Billiard

Stell dich einmal an einen Billiard-Tisch. Kicke ein paar Kugeln hin und her. Übe das ein wenig und du wirst bald ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wie du stoßen musst, damit die Kugeln in die Richtung rollen, die du anvisierst.
Bei der Sache wirken Gesetze der Physik die du gar nicht kennst!
Musst du jetzt aufhören und das erstmal lernen?
Neee!
Spiel einfach weiter! Muss ja nicht gut sein

Wer hier der echte Profi ist

Der Witz ist, die echten Profis lernen den ganzen Kram ohnehin ohne die Theorie. Ohne Zertifikate, ohne das Equipment, ohne Zeitdruck, ohne die Idee bei Insta mit Werbe-Deals das Auto zu bezahlen.

Die Profis pfuschen los. Und pfuschen weiter. Und werden dann ein wenig besser.
Jedes Problem, was von einem Profi gelöst wird, wird einfach nur nach bestem Wissen gelöst und oft auch nur gerade so, dass es funktioniert. Nicht besser, aber muss ja nicht – funktioniert doch.

Das ist nämlich der echte Unterschied zwischen uns und den Profis.
Die können ein bisschen besseren Pfusch.

Also: Pfusch los

Cheers.