Was ein moderner Lehrer tut

Gestern habe ich geteilt, was meiner Ansicht nach, die 2 wichtigsten Aufgaben eines Lehrers sind (Hier nochmal nachlesen.

Natürlich, wie es eben so ist, gibt es noch andere Dimensionen.
Ich bin bisher nur auf die Beziehung vom Lernenden zum Lehrenden eingegangen.

Aber es gibt noch etwas, was mir aufgefallen ist. Die Tätigkeit, die ich als Lehrer mache ist grundlegend verschieden von der eines Gitarrenlehrers von vor 30 Jahren.

TL;DR:
Die Aufgabe, Informationen zu vermitteln, haben Lehrende heute nicht mehr. Es geht nun darum, Methoden zur Verarbeitung der Informationen zu lehren.

Die Aufgaben früher

Früher hatte nicht jede Person Zugang zu Informationen. Also war es in der Schule gut, jemanden zu haben, der sich in dem Thema auskennt. Die Physiklehrerin war vielleicht stadtbekannt, dass sie das Thema in- & auswendig kannte.

Die Aufgabe dieser Lehrerin war es jetzt meistens, das Wissen zu vermitteln. Es ging also um einen Transfer von Wissen und Know-How zum jeweiligen Thema.

Das Wissen aus den Universitäten und Laboren wurde in Bücher transferiert. Von dort aus in den Geist der lesenden Studenten. Diese trugen das Wissen später in die Schulen und konnten es weitergeben.

Ein langsamer Prozess, bei dem vieles schiefgehen kann (#stillepost).

Die Aufgaben heute

Heute ist das Ganze völlig anders.
Die Ubiquität (Überallverfügbarkeit) von Informationen und Wissen macht diese bloße „Transportfunktion“ obsolet.
Es geht jetzt nicht mehr darum, Zugang zu Wissen zu verschaffen.
Es geht mittlerweile darum, diese Informationen zu kuratieren und den Lernenden Fähigkeiten zu vermitteln, später selbst Wichtiges vom Unwichtigen trennen zu können.
Im selben Atemzug müssen methodische Fehler ausgebessert werden bzw. neue Methoden mit diesem Prozess der „Informationskuration in Eigenregie“ überhaupt vermittelt werden.
Das passiert zum Beispiel mit Fächern wie Medienkompetenz. Wie vertrauenswürdig ist zB eine Info, die ich auf @faktastisch bei Insta sehe?

Die Aufgaben sind also im Grunde ein Level nach oben gerutscht. Es geht nicht mehr um das „Was“. Wir alle können einen Haufen Wissen alleine mit der Wikipedia-App abrufen. Es geht um das „Wie“ oder auch „Wofür“.

Lehrende = Informationskuratoren

Diese Perspektive ist mir gänzlich neu und auch wieder nicht.
Seit Jahren mache ich es nicht mehr so, dass ich mich als „Materialersteller“ sehe, sondern eher Kurator der Informationen, die es bereits gibt.

Diese Unterscheidung lässt mich anders über die Tätigkeit als Gitarrenlehrer denken und hat schon beeinflusst, wie ich die Vorbereitung der Stunden angehe.
Außerdem klingt es ziemlich cool.

Cheers.