Die zwei Aufgaben eines Lehrers

Ich hatte letztens beim Gitarre üben eine kleine Erleuchtung:
Die eigentlichen Aufgaben eines Lehrers sind ganz einfach: Vertrauen schaffen und dann konstruktives Feedback geben.

Auf dem Gedanken habe ich schon eine Weile herum gekaut, und jetzt möchte ich hier einen kleinen Zwischenstand geben.
Wie ich die Aussage meine und warum Beides häufig nur Abseits der Schule passiert.
Let’s go.

TL;DR:
Lehrende müssen nur 2 Dinge tun:
Vertrauen aufbauen und dann konstruktives Feedback geben.

Was lange währt…

Ich musste offensichtlich erst 30 Jahre alt werden, um mir überhaupt die Frage zu stellen, was Lehrende eigentlich tun sollen.
Vorher gab es in meinem Kopf nur eine diffuse Vorstellung vom „guten“ und „schlechten“ Klassenlehrer, Mentorin, und anderen Personen, von denen ich etwas lernen konnte.

Dabei ist die Frage wichtig:
Ich selbst bin Lehrer und möchte auch über das Gitarre spielen hinaus gerne Wissen und Werte vermitteln. Außerdem darf man ja nicht einfach so über „das Schulsystem“ mosern, wenn man keine Vorstellung vom Soll-Zustand hat.

Die 2 Rollen

Es gibt 2 grundlegende Pfeiler bzw. Aufgaben, auf die sich jegliches Handeln des Lehrenden stützen:

  1. Ein Vetrauensverhältnis schaffen
  2. Konstruktives Feedback geben

Das Vertrauensverhältnis

Das man der lehrenden Person vertrauen sollte ist irgendwie klar.
Aber wie genau?
Es gibt dabei zwei Aspekte:

  1. Ich muss darauf vertrauen, dass die Person kompetent genug ist, mir etwas beizubringen
  2. Ich muss darauf vertrauen, dass die Person mich und meine Probleme versteht

Beispiel:
Denk einmal in eine Stunde Mathe zurück.
Vorne steht die eine Person, die zwar an der Tafel herumrechnet aber ständig Fehler macht.
Auf Nachfragen wird mit „Oh, ja, ämmm. Also – hm, das muss ich kurz gucken, einen Moment.… also joar.“ reagiert.
Keine gute Basis, dass du darauf hörst, was dir diese Person überhaupt sagen möchte.
Egal wie richtig es sein mag.

Aber auch anders kann sich das Problem ausdrücken:
Selbe Situation. Du kommst nicht weiter und hast völlig den Anschluss zum aktuellen Thema verloren. Fragend wendest du dich an die Person, die es (in diesem Szenario) besser weiß. Dein Problem ist zwischen Schritt 2 und 3 des Problems. Allerdings wird das nicht gesehen, und dir werden die ganze Zeit Schritte 1 und 2 noch einmal erklärt.

Ein Vertrauensverhältnis ist ein Schwert mit 2 Schneiden.
Es muss einerseits das Vertrauen da sein, dass genügend Kompetenz vorhanden ist, dir zu helfen. Und andererseits eben auch das Vertrauen, dass deine Sichtweise/Perspektive eingenommen wird, um das Problem wirklich zu verstehen.

Oft habe ich erlebt, dass das Problem nicht verstanden wurde. Stattdessen wurde die Lösung einfach wiederholt. Das half mir ziemlich selten.

Das Feedback

Wenn jetzt die Vertrauensbasis geschaffen wurde, gibt es noch eine weitere wichtige Aufgabe. Es gilt jetzt, die Lernenden mit konstruktivem Feedback auf den richtigen Weg zu schicken.
Es ist wichtig, dass das Feedback auf die Perspektive des Lernenden zugeschnitten wird.

Klar, das kann manchmal heißen, die ganze Klasse zusammenzustauchen. Oder eben nur eine Person nach der Stunde.
Aber auch hier gibt es häufig Probleme. Ich persönlich habe oft das Gefühl, dass Feedback aus der Perspektive des Verstehenden kommt.
Das hilft nicht.
Auch, dasselbe noch einmal zu erklären, dieses Mal einfach nur lauter und etwas angefressener, bringt selten etwas.
Das Feedback muss maßgeschneidert werden.
Nur dann kann das Feedback auch wirklich angenommen werden.

Die einfache Lösung

Meiner Meinung nach werden diese Probleme ziemlich einfach gelöst, wenn eine Gruppen von Lernenden nicht zu groß wird.
Bis zu 5 Personen kann noch individuell auf alle eingegangen werden, darüber hinaus wird es schwierig.

Es wird leicht, in der „Menge“ unterzugehen und somit auch kein konstruktives Feedback zu bekommen. Das schafft den Eindruck, das die lehrende Person kein Verständnis hätte. Und schon ist das Vertrauen gebrochen.

Frühe wollte ich einmal Lehrer werden und bin mittlerweile wirklich froh, in Form vom Gitarrenunterricht das tun zu können, was ich mir darunter vorgestellt habe.
Es gibt nichts spannenderes als gemeinsam zu versuchen ein Problem zu verstehen und dann zu lösen.
Denn das ist der Kern: Man sitzt gemeinsam an einem Problem.

Cheers.