Was das eigentliche Problem von Bildschirmen ist

Habe letztens einen Artikel von Nat Eliason gelesen. Sehr cooler Blogger und Author, dessen Ideen ich gerne und regelmäßig verfolge/lese.

Im letzten Artikel hat er folgende Idee vorgestellt:

Technologie bzw. unsere digitale Welt ist nicht per se schlecht. Klar, lenken uns diese Dinge ab und im Moment scheinen viele Trends eher in die Richtung von Bedürfnisbefriedigung und maximalem Entertainment gepaart mit erhöhtem ADHS-Aufkommen und psyochologischen/sozialen Störungen.

TL;DR:
Digitales Entertainment ist nicht schlecht. Wir brauchen nur Prinzipien für deren Konsum. Ähnlich Diäten wie Veganismus, Paleo, etc.

Überleg dir mal, wie wir heute Entertainment konsumieren.
Während der Arbeit haben wir einen Zoom-Call. Wenn sich das Gefühl einschleicht, das Gesagte sei nicht interessant, wird nebenbei Twitter aufgemacht und dort gelesen.
Nach dem Call gucken wir eine Serie während die Tabelle in Excel ausgefüllt wird.
Auf dem Heimweg hören wir einen Podcast in der Bahn und zuhause schauen wir auf Instagram herum, während der Fernseher läuft.

Klingt krass. Aber trotzdem erwischt man sich ja genau dabei doch ständig.

Aber war das früher anders?
Jein.
Klar, man konnte auch sehr viel Entertainment genießen. Im Zug die Zeitung lesen zB. Während der Arbeit Radio hören. Und so weiter.

Unterschied #1

Der erste große Unterschied ist aber die Richtung.

Die Richtung des Entertainments hat sich geändert.

Früher war es „Entertainment wird von uns generiert“ und heute ist es meist „Entertainment wird für uns generiert“.

Alle „alten“ Formen von Entertainment bedürfen Aktion.
Es gibt nahezu keine passiven Konsummöglichkeiten.
Vom Lesen bis hin zum Theaterbesuch bedurfte jede Form Aktion auf der Seite des Konsumenten.

  • Beim Lesen muss man sich das Gelesen vorstellen. Irgendwann fängt man an zu halluzinieren und die entstehende Welt ist im Kopf von allen Lesern unterschiedlich. (Ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, als ich zum ersten Mal Hogwarts auf der Leinwand gesehen habe. Das war gar nicht so wie in meinem Kopf.)
  • Beim Theaterbesuch wird sich schick gemacht. Vorher mussten Karten gekauft werden. Termine abgesprochen. Und vor Ort kommt man vermutlich mit anderen Menschen ins Gespräch.

Unterschied #2

Der zweite Unterschied ist „on demand“.
Weder das nächste Buch, noch der Theaterbesuch waren „on demand“.
Heute ist das so.
Wieso denn noch in die Stadt gehen, ins Nachtleben abtauchen und viele Körbe kassieren? Wenn man doch genauso gut im Internet jederzeit „Sexpartner“ finden kann, die genauso aussehen, wie man möchte und die genau das machen, was man mag?

Klar, krasses Beispiel.
Aber wenn ich heute Abend Bock auf eine Dokumentation ganz speziell über Oktopoden (oder so Tintenfische, wie auch immer die heißen) hätte, würde ich garantiert fündig werden.
Wie wahrscheinlich ist das im normalen Fernsehen? Oder geschweige denn: Wie wahrscheinlich ist es, einen Vortrag darüber in meiner Heimatstadt zu genau dem Zeitpunkt zu finden?
Und selbst wenn, ich müsste immer noch hingehen (😱).

Technologie ist nicht schlecht/gut

Technologie ist als solche nicht gut. SIe ist nicht schlecht.
Sie scheint nur ein Multiplikator für unsere Tendenzen zu sein.

Und das ist eben: Bequemlichkeit.

  • Keine Lust, mir alles vorstellen zu müssen: Ich gucke lieber die Filme als das Buch zu lesen.
  • Keine Lust mich mit Menschen zu unterhalten, die ich nicht auf „stumm“ schalten kann: Ich bleibe auf Youtube

Die Lösung

Wie immer bei diesen Technologie-Fragen scheint die Lösung eine Prinzipielle:
Gehe bewusster mit Bildschirm-Entertainment um.

Und warum auch nicht?
Wenn man die Ernährungs-Parallele sieht, wird es sehr eindeutig.
Wir können uns jederzeit quasi „zu Tode fressen“ soviel Essen ist für uns in Deutschland schnell verfügbar. Also haben sich irgendwann Bewegungen entwickelt, die einen prinzipiellen Umgang mit Nahrungsmitteln haben: Vegetarier, Veganer, Keto, Paleo, etc.

Wieso auch nicht bei digitalem Entertainment?

  • Youtube-Only.
  • Egal was aber nur 60 Minuten am Tag.
  • Ich darf soviel digitales Entertainment wie ich gestern in Minuten ein Buch gelesen habe
  • Etc.

Ich persönlich glaube, dass wir bald dahinter kommen. Jede* r für sich. Aber eben nach einem bestimmten Framework.

Cheers.